Neue Geschäftsfelder für einen Automobilzulieferer identifizieren

Smart Scouting für strategische Entscheidungen in der Transformation

Ein mittelständischer Automobilzulieferer stand vor einer zentralen Zukunftsfrage: Wie lassen sich bestehende Technologien, Kompetenzen und Erfahrungen in neue Geschäftsfelder übertragen, wenn das klassische Kerngeschäft durch Elektromobilität, neue Antriebskonzepte und veränderte Wertschöpfungsketten unter Druck gerät?

TECINTELLI unterstützte das Unternehmen mit einem KI-gestützten Smart-Scouting-Projekt. Ziel war es, neue Anwendungen, Technologien, Märkte und Geschäftsmodelloptionen sichtbar zu machen – nicht abstrakt, sondern konkret auf Basis der vorhandenen Kompetenzen des Unternehmens.

Im Ergebnis entstand ein interaktiver Innovationsscout mit priorisierten Geschäftsfeldoptionen, konkreten Innovationsimpulsen und vertiefenden Entscheidungsgrundlagen für Geschäftsführung, Business Development, Technologieplanung und zukünftige Wachstumsfelder.

Wenn bestehende Produkte an Bedeutung verlieren

Ausgangssituation

Das Unternehmen verfügte über langjährige Erfahrung in der Entwicklung und Fertigung technischer Komponenten für die Automobilindustrie. Zu den vorhandenen Stärken gehörten unter anderem:

  • Präzisionskomponenten und mechanische Baugruppen

  • Metall-, Werkstoff- und Fertigungskompetenz

  • Verbindungselemente und thermisch belastbare Baugruppen

  • Qualitäts- und Serienproduktions-Know-how

  • Erfahrung mit anspruchsvollen Zulieferstrukturen

  • technische Entwicklungs- und Integrationskompetenz

  • Sensorik- und Systemverständnis in ausgewählten Anwendungsbereichen

Durch die Transformation zur Elektromobilität veränderte sich das Marktumfeld grundlegend. Einige bisher relevante Produktbereiche verloren an Wachstumsperspektive. Gleichzeitig entstanden neue Anforderungen in angrenzenden und völlig neuen Märkten – etwa durch Automatisierung, sicherheitskritische Anwendungen, datenbasierte Services, neue Produktionsumgebungen und steigende Anforderungen an Präzision, Belastbarkeit und Qualität.

Die zentrale Frage lautete:

Welche neuen Geschäftsmöglichkeiten lassen sich aus bestehenden Kompetenzen entwickeln – innerhalb und außerhalb der Automobilbranche?

Neue Chancen erkennen und belastbar bewerten

Projektziel

Ziel des Smart Scoutings war es, nicht nur Trends zu sammeln, sondern strategisch relevante Geschäftschancen zu identifizieren, einzuordnen und priorisierbar zu machen.

Im Fokus standen vier Aufgaben:

Bestehende Kompetenzen verstehen

Zunächst wurde analysiert, welche technologischen Fähigkeiten, Produktlogiken, Fertigungskompetenzen und Erfahrungswerte im Unternehmen vorhanden sind – und welche davon auch außerhalb des bisherigen Kerngeschäfts wertvoll sein könnten.

Neue Anwendungsfelder identifizieren

Auf Basis des Kompetenzprofils wurden mögliche neue Anwendungen und Märkte erschlossen. Entscheidend war dabei nicht nur die Frage, wo ähnliche Produkte eingesetzt werden, sondern wo vergleichbare technische Funktionen, Fähigkeiten und Nutzenversprechen relevant sind.

Innovationsimpulse bewerten

Die identifizierten Suchfelder und Geschäftsideen wurden hinsichtlich Relevanz, technologischer Nähe, Marktattraktivität, Wettbewerbssituation, Differenzierungspotenzial und strategischer Passfähigkeit bewertet.

Konkrete Handlungsoptionen ableiten

Aus zahlreichen ersten Innovationsimpulsen wurden gemeinsam mit dem Projektteam des Kunden priorisierte Geschäftsfeldoptionen entwickelt. Ausgewählte Optionen wurden anschließend vertieft analysiert und für interne Entscheidungsprozesse aufbereitet.

Vom Kompetenzprofil zu priorisierten Geschäftschancen

Unser Vorgehen

TECINTELLI entwickelte ein mehrstufiges Smart-Scouting-Setup. Ausgangspunkt war nicht eine allgemeine Trendsuche, sondern das konkrete Technologie-, Kompetenz- und Produktprofil des Unternehmens.

Im ersten Schritt wurden Produkte, Technologien, Fertigungsfähigkeiten, Materialkompetenzen und bisherige Anwendungsfelder des Unternehmens strukturiert erfasst. Ergänzend wurden öffentlich verfügbare Informationen, Unternehmensmaterialien sowie Einschätzungen aus Gesprächen und Workshops ausgewertet.

Daraus entstand ein belastbares Kompetenz- und Technologieprofil: Welche Fähigkeiten sind wirklich differenzierend? Welche Technologien und Erfahrungswerte lassen sich übertragen? Welche Kompetenzen können auch außerhalb des bisherigen Kerngeschäfts relevant werden?

Im nächsten Schritt wurden die identifizierten Kompetenzen mit unserer Innovation Intelligence angereichert, abstrahiert und in technische Funktionen übersetzt. Dabei geht es nicht nur darum, was ein Unternehmen heute produziert, sondern welche Funktionen, Wirkprinzipien und Fähigkeiten dahinterstehen.

Ein Beispiel: Aus einer konkreten Filtertechnologie wird auf einer abstrakteren Ebene die Fähigkeit, Stoffe zu trennen, zu reinigen oder selektiv zu führen. Genau diese funktionssemantische Übersetzung eröffnet neue Suchräume: In welchen Branchen, Anwendungen oder Märkten sind ähnliche Funktionen relevant – auch wenn sie dort anders benannt werden?

Auf Basis dieser abstrahierten Kompetenz- und Funktionsprofile wurden mit unserer Innovation Intelligence breite Innovationssuchräume erschlossen. Analysiert wurden unter anderem Technologien, Anwendungen, Start-ups, Forschungsschwerpunkte, Patente, Marktbewegungen, Förderprojekte und Unternehmensaktivitäten.

So entstanden zahlreiche erste Innovationsimpulse – von sicherheitskritischen Anwendungen über industrielle Sensorik und Monitoringlösungen bis hin zu Cross-Industry-Potenzialen in Maschinenbau, Luftfahrt, Sicherheitstechnik, Verteidigung, Medizintechnik und automatisierten Produktionsumgebungen.

Die identifizierten Innovationsimpulse wurden strukturiert, geclustert und anhand erster Kriterien bewertet: strategische Passfähigkeit, technologischer Bezug, Marktattraktivität, Umsetzbarkeit, Differenzierungspotenzial und Nähe zu bestehenden Kompetenzen.

In mehreren Abstimmungsrunden mit dem Projektteam des Kunden wurden besonders relevante Ideen priorisiert. Dabei wurden auch Kombinationen sichtbar: Manche Chancen wurden erst dann wirklich interessant, wenn bestehende Kompetenzen mit zusätzlichen Fähigkeiten, Partnern oder neuen Technologien ergänzt wurden.

Für ausgewählte Innovations- und Geschäftsideen wurden anschließend vertiefende Profile erstellt. Dabei wurden Marktpotenziale, Kundengruppen, Wettbewerber, bestehende Lösungen, Start-ups, Forschungsaktivitäten, regulatorische Rahmenbedingungen und mögliche Pain Points potenzieller Kunden analysiert.

Ziel war es, aus einer ersten Idee eine belastbare Entscheidungsgrundlage zu entwickeln: Gibt es einen relevanten Markt? Wo liegt der konkrete Bedarf? Welche Lösungen existieren bereits? Welche Lücke könnte das Unternehmen mit seinen Kompetenzen schließen? Und welche nächsten Schritte wären für eine Umsetzung sinnvoll?

Die Ergebnisse wurden in einem interaktiven Innovationsscout aufbereitet. Das Unternehmen erhielt damit keine lose Ideensammlung, sondern eine strukturierte Arbeitsumgebung mit priorisierten Geschäftschancen, Suchfeldern, Vertiefungsprofilen, Quellen, Marktinformationen und Hinweisen auf mögliche nächste Schritte.

So konnte das Projektteam entscheiden, welche Themen in Business Development, Technologieplanung, Innovationsportfolio oder mögliche Kooperationsprojekte überführt werden sollen.

neue Geschäftsfelder aus bestehenden Kompetenzen

Was sichtbar wurde

Im Projekt entstanden zahlreiche Innovationsimpulse und mögliche Geschäftsfeldoptionen. Die tatsächlich priorisierten Suchfelder wurden gemeinsam mit dem Unternehmen vertieft bewertet und bleiben aus Vertraulichkeitsgründen anonymisiert.

Die folgenden Beispiele zeigen jedoch, in welche Richtungen solche Smart-Scouting-Ergebnisse gehen können – und wie bestehende Kompetenzen durch eine funktionssemantische Betrachtung in neue Märkte und Anwendungen übertragen werden.

Präzisionskomponenten für anspruchsvolle Sicherheits- und Verteidigungsanwendungen

Ein Suchfeld entstand aus vorhandenen Kompetenzen in Präzisionskomponenten, Metall- und Materialverarbeitung, Verbindungselementen, Qualitätssicherung und thermisch belastbaren Baugruppen.

Durch die Analyse wurde sichtbar, dass diese Fähigkeiten nicht nur im Automotive-Kontext relevant sind. Gerade in Luft- und Raumfahrt, Sicherheits- und Verteidigungstechnik sowie bei technisch anspruchsvollen Systemherstellern entstehen Anwendungen, bei denen hohe Präzision, robuste Materialien, belastbare Verbindungslösungen und zuverlässige Serienqualität entscheidend sind.

Damit eröffnete sich ein Suchraum für mögliche Zuliefer- und Entwicklungsfelder jenseits klassischer Automobilanwendungen – insbesondere dort, wo technische Zuverlässigkeit, Belastbarkeit und Qualitätsanforderungen besonders hoch sind.

Sensorik und Monitoring für automatisierte Produktionsumgebungen

Ein weiteres Suchfeld ergab sich aus Kompetenzen rund um Systemverständnis, technische Integration, Sensorik, Zustandsüberwachung und datenbasierte Auswertung.

Hier zeigte das Smart Scouting Potenziale in industriellen Monitoringlösungen, Predictive Maintenance und sicherheitsrelevanter Maschinenüberwachung. Besonders relevant wurden Anwendungen im Kontext automatisierter Produktion, Robotik und KI-gestützter Prozessüberwachung.

Der Ansatz: Bestehende Hardware-, Komponenten- und Integrationskompetenz wird mit datenbasierten Services verknüpft. So entstehen neue Lösungsansätze, bei denen nicht nur Komponenten geliefert werden, sondern auch Informationen über Zustand, Nutzung, Belastung oder Wartungsbedarf.

Von einzelnen Impulsen zu strategischen Suchfeldern

Die Beispiele zeigen, dass Smart Scouting nicht bei naheliegenden Branchenvergleichen stehen bleibt. Entscheidend ist die Übersetzung vorhandener Kompetenzen in technische Funktionen, neue Suchlogiken und mögliche Nutzenversprechen.

Aus der Frage „Was können wir heute?“ wird damit die Frage: „Wo können diese Fähigkeiten künftig Wert schaffen?“ Genau daraus entstehen neue Suchfelder, die anschließend hinsichtlich Marktpotenzial, Wettbewerb, Kundennutzen, Umsetzbarkeit und strategischer Passfähigkeit bewertet werden können.

Ein interaktiver Innovationsscout für neue Geschäftsfeldoptionen

Ergebnis

Die Projektergebnisse wurden nicht nur in einem klassischen Bericht und in Präsentationen für die gemeinsamen Workshops aufbereitet. TECINTELLI entwickelte zusätzlich einen interaktiven Innovationsscout, der die priorisierten Geschäftsfeldoptionen strukturiert, nachvollziehbar und direkt nutzbar darstellte.

Im Fokus standen ausgewählte Zukunftsoptionen, die nach der ersten Identifikation und Priorisierung vertieft betrachtet wurden. Für jede dieser Optionen wurden relevante Informationen systematisch recherchiert, analysiert und in übersichtlichen Profilen aufbereitet.

Der Innovationsscout enthielt unter anderem:

  • Beschreibungen der priorisierten Geschäftsfeldoptionen

  • Einschätzungen zu Marktpotenzialen, Kundengruppen und möglichen Pain Points

  • Informationen zu bestehenden Lösungen, Wettbewerbern und Marktakteuren

  • Start-up-Profile und Hinweise auf ähnliche oder angrenzende Lösungsansätze

  • Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sowie State-of-the-Art-Einschätzungen

  • Studien, Quellen und Textauszüge mit direktem Bezug zu Markt- und Technologieentwicklungen

  • Hinweise auf mögliche Lead User, Pilotkunden oder Kooperationspartner

  • erste Bewertungen zu strategischer Passfähigkeit und Umsetzungsrelevanz

Ein zentraler Vorteil: Die Ergebnisse blieben nicht abstrakt. Das Projektteam konnte im Innovationsscout Quellen prüfen, Textstellen nachvollziehen, Wettbewerber vergleichen, Start-ups einordnen und einzelne Geschäftsfeldoptionen gezielt weiterverfolgen.

So wurde aus dem Smart Scouting kein statisches Ergebnisdokument, sondern ein interaktiver Arbeitsraum für Geschäftsführung, Strategie und Business Development – als Grundlage für interne Entscheidungen, nächste Prüfaufträge und mögliche Umsetzungsschritte.

Das ist Ihr Nutzen

Mit Smart Scouting wurden aus bestehenden Kompetenzen neue Perspektiven für Wachstum, Innovation und Zukunftsfähigkeit sichtbar.

Der konkrete Mehrwert:

  • neue Geschäftsfelder jenseits des bisherigen Kerngeschäfts erkennen

  • bestehende Kompetenzen strategisch neu bewerten

  • Cross-Industry-Potenziale systematisch erschließen

  • Technologien, Märkte, Start-ups, Forschung und Wettbewerber zusammen betrachten

  • Innovationsideen priorisieren und gezielt vertiefen

  • Marktpotenziale, Kundengruppen und Pain Points besser einschätzen

  • fundierte Entscheidungsgrundlagen für Strategie und Business Development schaffen

  • Ergebnisse in einem interaktiven Innovationsscout weiter nutzbar machen

So entsteht aus Transformationsdruck ein strukturierter Such- und Entscheidungsprozess – und aus Unsicherheit ein klarer Blick auf neue Zukunftschancen.